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Die Zahl der Gründungen in Deutschland steigt. Das ist positiv. Im Vergleich zu den 90er-Jahren und zum Ausland bewegt sich die Gründungsbereitschaft in Deutschland aber noch immer auf einem sehr niedrigen Level.
Wissen, was wichtig wird.
In der neuesten Studie zu High-Tech-Gründungen in Deutschland vom Mai 2008 verzeichnet das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) den zweistelligen Anstieg über alle High-Tech-Sektoren hinweg. Darin sieht das ZEW eine erfreuliche Entwicklung, es stellt aber klar, dass die Gründungstätigkeit immer noch deutlich unter dem Niveau von 1995 liegt. Ist es nun also eine erfreuliche Entwicklung für den High-Tech-Standort Deutschland oder nicht?
Um echte Aussagen dazu machen zu können, ist es wichtig, die Detailstatistiken aus der ZEW-Studie zu verstehen. Dort wird unterschieden zwischen Unternehmen mit High-Tech-Produkten und solchen mit Hightech-Dienstleistungen. Die Gruppe der Dienstleistungsunternehmen umfasst im wesentlichen Forschungs-, Entwicklungs- und Analyse-Dienstleister. Solche Unternehmen, deren Größe von einer Ich-AG bis hin zum international tätigen Ingenieurbüro gehen können, machen 85 Prozent aller betrachteten High-Tech-Unternehmen aus. Diese Gruppe dominiert damit die Ergebnisse der Gesamtstatistik.
Weniger Neugründungen als vor zehn Jahren Wirtschaftlich und beschäftigungsseitig bedeutender ist die Gruppe der High-Tech-Produkte. Wenn solche Unternehmen erfolgreich sind, können sie schnell mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen. Allein die Earlybird-Portfolio-Unternehmen Amaxa, Tipp24 und Interhyp haben seit ihrer Gründungen vor weniger als zehn Jahren zusammen fast 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Nach einem ausgedehnten Tief von 2002 bis 2005 ist die Zahl solcher Neugründungen in den vergangenen zwei Jahren um fast 10 Prozent angestiegen. Das liegt aber immer noch um fast 30 Prozent unter dem Niveau von 1995.
Allen Bildungs-, Gründungs- und Innovationsinitiativen sowie sonstigen politischen Beschwörungsformeln zum Trotz hat sich das High-Tech-Gründungsgeschehen in der vergangenen Dekade also keinesfalls positiv entwickelt. Auch die zwischenzeitlichen Booms in Internet, Telekommunikation, Biotech und Clean-Tech scheinen eher eine abschreckende denn förderliche Wirkung hinterlassen zu haben. Dass die Studie nun von mehreren politischen Parteien als Bestätigung ihrer gründungsfreundlichen Politik herangezogen wird, erscheint geradezu als Treppenwitz.
Ich-AGs brachten keine nachhaltigen Impulse
Der Global Entrepreneurship Monitor 2007 attestiert Deutschland eine unterdurchschnittliche Bereitschaft, Unternehmen zu gründen oder sich in neugegründeten Unternehmen zu engagieren. Während in den USA oder Israel rund neun Prozent der Bevölkerung für ein solches "Abenteuer" zur Verfügung stehen, sind es in Deutschland gerade mal drei Prozent.
Erst wenn es gelingt, die tatsächlichen oder lediglich empfundenen Risikobarrieren abzubauen, wird ein echter Schub in der High-Tech-Gründungsdynamik sichtbar werden.
Nur wenige Initiativen aus den letzten Jahren haben an dieser Risikoscheu angesetzt. Die kurze Förderung der Ich-AGs in den Jahren 2003 bis 2005 hat zwar einige Menschen aus der Arbeitslosigkeit geführt. Ein nachhaltiger Impuls für die Gründungsdynamik junger High-Tech-Unternehmen in Deutschland ist daraus aber nicht entstanden. Das neue GmbH-Gesetz sowie die ersten Erfolgsgeschichten aus Seed-Finanzierungs-Initiativen wie dem High-Tech-Gründerfonds können helfen, das finanzielle Risiko von Gründern zu reduzieren. Dagegen schrecken die derzeit im Bundestag diskutierten Verschärfungen des gesetzlichen Rahmens für Wagniskapital institutionelle Investoren ab, sich an jungen Technologieunternehmen in Deutschland zu beteiligen.
www.ftd.de/karriere_management/gruendung/:Kolumne%20Halb/377300.html
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