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Venture Blog

Roland Manger ROLAND MANGER
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Monday, April 21, 2008   Venture Capital in Sippenhaft
 

Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz die Wagniskapitalbasis zu Gunsten junger innovativer deutscher Unternehmen fördern. Doch die generelle Stimmung gegen Private Equity führt zu faulen Kompromissen in der Koalition.

Vor kurzem fand in München der 9. Deutsche Eigenkapitaltag statt. Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften BVK, hat damit für seine Mitglieder ein Forum geschaffen um über die aktuellen Entwicklungen und Themen der Private-Equity-Szene in Deutschland zu sprechen. Eingeladen waren auch Referenten aus Politik, Wirtschaft und ein Vertreter der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Während letzterer Deutschland als ein Paradies für ungezügelte Machenschaften von Private-Equity-Fonds ausmachte, war der Vertreter der Bundesregierung recht zufrieden mit dem Stand der Dinge und der neuerlichen Gesetzgebung zur Förderung von Wagniskapitalgesellschaften. Die Repräsentanten der Private-Equity-Branche kritisierten die Rahmenbedingungen für und das schlechte Image von Private Equity in Deutschland.

Leider kam bei der Diskussion zu kurz, dass die Private-Equity-Branche sich in zwei sehr unterschiedliche Aktivitäten aufteilt: das Buy-Out-Geschäft, bei dem mehr oder weniger etablierte Unternehmen im Rahmen des Erwerbs von bestehenden Unternehmensanteilen anderer Gesellschafter ganz oder teilweise übernommen werden. Zweites Aktivitätsfeld ist das Venture-Capital-Geschäft, bei dem Neugründungen oder sehr junge Unternehmen durch Zufluss von neuem Kapital in Form einer Kapitalerhöhung finanziert werden.

Die Diskussion drehte sich immer wieder darum, ob das Buy-Out-Modell gut oder schlecht für die Unternehmen in Deutschland sei. Während die Fortsetzung der bereits in der Öffentlichkeit lange zelebrierten Heuschreckendiskussion eigentlich nur die 20 Prozent der Private-Equity-Transaktionen nach dem Buy-Out-Modell betrifft, kam wieder einmal die Diskussion um Venture Capital, das in Deutschland immerhin 80 Prozent der Private-Equity-Transaktionen (wenn auch nur 27 Prozent des Wertes) ausmacht, zu kurz.

Von der Presse und der Öffentlichkeit kaum beachtet, steht das neue Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen (MoRaKG) kurz vor dem Abschluss. Politiker, wie auch das anwesende Mitglied des Finanzausschusses im Bundestag, nennen es einen großen Wurf.

Bei genauerem Hinsehen eignet es sich für keinen der wirklich etablierten Venture-Fonds in Deutschland. Zum Beispiel sollen VC-Gesellschaften, die unter das neue MoRaGK fallen wollen, nicht in Unternehmen investiert haben dürfen, die mehr als 20 Millionen Euro Eigenkapital haben.

Earlybird hätte in diesem Fall beispielsweise die Esmertec AG nach der zweiten Finanzierungsrunde an einen Wettbewerber verkaufen müssen, statt – wie geschehen – eine weitere Finanzierungsrunde durchzuführen (mit EK über 20 Millionen Euro.), so das Unternehmen börsenreif zu machen, die Unabhängigkeit des Unternehmens zu sichern und damit Arbeitsplätze in Europa zu erhalten.

Fragt man Politiker, warum ein solch unnützes Gesetz in der Koalition vereinbart wurde, so lautet die Antwort, dies sei halt ein Kompromiss und es gäbe in der Regierung auch Stimmen, die Zügel in Bezug auf die Private-Equity-Gesellschaften noch weiter anzuziehen um deren Exzesse einzuschränken.

Aber da haben wir sie schon wieder, die Vermischung von Buy-Out und Venture. Ich frage mich, wie lange junge innovative Unternehmen in Deutschland noch unter dieser Verwechslung zu leiden haben werden.

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