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Warum VCs auch Gründern mit tollen Produkten manchmal Absagen erteilen.
von Roland Manger
Eigentlich habe ich den schönsten Job der Welt: als Venture Capitalist (VC) erfahre ich ständig neue Anregungen, lerne interessante Menschen mit guten Ideen kennen, lasse mich von neuen Technologien und Produkten begeistern und glaube dadurch ein Gefühl dafür zu bekommen, was in der Zukunft alles möglich sein wird. Ich darf miterleben, wie junge Unternehmen sich von den ersten Schritten in den Markt zu potenziellen weltweiten Marktführern entwickeln und habe dabei noch die Gelegenheit, am Ende selbst davon zu profitieren.
Aber nichts ist perfekt, und ich muss gestehen, dass es heute keinen Spaß gemacht hat. Ich will nicht nörgeln – natürlich gibt es immer wieder Schwierigkeiten und Rückschläge wenn man mit jungen Firmen arbeitet, und in einigen Fällen geht es auch komplett schief.
Was mir aber immer noch so viel Schwierigkeiten wie am ersten Tag bereitet, ist, guten Leuten mit einem tollen Produkt von Anfang an eine Absage zu erteilen. Die Gründe für die Absage heute lagen in der Investitionslogik von Earlybird. Das junge französische Unternehmen, das sich vorgestellt hatte, entwickelt und vermarktet ein schickes, leicht bedienbares und kostengünstiges Gerät zur Verwendung von so genannten E-Books, also Buchinhalten, die über das Internet bezogen werden können und mit Hilfe eines solchen Gerätes Verwendung finden.
Das Problem liegt im Geschäftsmodell und den damit verbundenen Chancen und Risiken. Die meisten VCs bevorzugen Unternehmen, die Komponenten oder Software für die Herstellung eines neuen Produktes durch große etablierte Anbieter entwickeln. Wer ein komplettes Gerät für den Endkonsumentenmarkt entwickelt, hat im Vergleich dazu gleich mehrere Nachteile: Ein marktreifes Gerät zu entwickeln, kostet etwa zehnmal so viel wie eine wesentliche Komponente oder ein Teilsystem, auch wenn vielleicht die Komponente den größten Teil der technischen Funktionalität ausmacht. Die Komponente kann normalerweise in einer Reihe von Geräten eingesetzt werde, also ist das Absatzpotenzial größer als bei einem einzelnen Gerät.
Der größte Unterschied jedoch ergibt sich in der Vermarktung. Die großen etablierten Mobiltelefonhersteller oder Konsumgüterelektronik-Konzerne haben über die Jahre unter Einsatz vieler hunderter Millionen Euro weltweite Vertriebsnetze aufgebaut. Wenn ich ein Teilsystem an solche Firmen liefere, nutze ich dieses Vertriebssystem automatisch mit und muss die Kosten und Risiken eines Neuaufbaus nicht selbst tragen.
Statt in die französischen E-Books habe ich jedoch vor kurzem in ein anderes französisches Unternehmen investiert. Purple Labs macht das Linux-Betriebssystem so klein und effizient, dass es auch auf relativ billigen Handys laufen kann und dort eine Reihe von Anwendungen, von E-Mail, MMS, Chat, WiFi und Video-Telefonie kostengünstig ermöglicht. Obwohl das dortige Team die Fähigkeit besitzt, komplette Handys zu entwicklen (es ist der Kern der frühere Handy-Truppe von Philips), konzentriert man sich auf das Softwaregeschäft mit Mobiltelefonherstellern in der ganzen Welt.
So wie die E-Book-Absage, ist vieles was VCs tun nicht immer leicht nachzuvollziehen oder zu erklären. Mit diesem Blog möchte ich berichten. wie ich arbeite, denke, entscheide und was ich erlebe. VCs mögen sehr unterschiedlich sein was Persönlichkeit, Erfahrung und persönliche Steckenpferde angeht. In vielen Dingen ähneln sie sich aber sehr. Ich hoffe, ich kann einige Einblicke in die „Machenschaften“ meiner Branche geben.
enable.ftd.de/die-stimme-des-geldes/2007/10/15/absage-trotz-guter-idee/
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