


Interview mit Dirk Matzat (abaXX Technology AG)
Aus: "Venture Capital Partnerschaft" Eine Studie der VDI nachrichten, der Baumgartner & Partner Unternehmensberatung und von area5F
? : Herr Matzat, Sie und Ihre Mitgründer waren bei Brokat schon sehr erfolgreich. Was hat Sie dazu bewogen, noch einmal eine eigene Firma zu gründen?
Matzat: Einerseits sahen wir die nächste Welle der E-Business-Technologie kommen - basierend auf Java-Beans. Und da entschieden wir uns, auf dieser Technologie aufbauend weitere Softwareprodukte zu entwickeln. Andererseits sahen wir darin die Chance, unsere Träume vom eigenen Unternehmen zu verwirklichen. Ursprünglich wollten wir ein Portal gründen. Nachdem aber das Echo der Investoren nicht besonders ermutigend war, haben wir uns auf das besonnen, was wir wirklich gut können, und das ist Software entwickeln und vermarkten.
? : Wie haben Sie eigentlich die ersten Kontakte zu VC-Gesellschaften geknüpft?
Matzat: Wir haben sie einfach direkt angesprochen und uns dabei auf die wirklich großen Investoren in Europa oder auch weltweit konzentriert. Wir konnten alle von unserem Geschäftsmodell überzeugen, so dass sie bereit waren, zu investieren. Bei der Auswahl der VCs haben wir vor allem darauf geachtet, ob sie auch für unseren Geschäftsbereich kompetent sind und unser Geschäftsmodell wirklich verstehen. Unsere Wahl fiel dann auf Earlybird, eine VC-Gesellschaft mit exzellenten Marktkenntnissen im Technologiebereich, und auf die 3i, die größte VC-Gesellschaft Europas. Letztere im Portfolio zu haben, bedeutet eine Art Gütesiegel für die Geschäftsidee. Bei beiden Gesellschaften hatten wir den Eindruck, dass sie außer Geld auch Unterstützung bei der Umsetzung unserer Geschäftsstrategie bieten.
? : Wie sah diese Unterstützung aus?
Matzat: Earlybird hat uns unsere ersten beiden Kunden vermittelt, bei denen wir unsere Technologie umsetzen konnten. Bei 3i profitieren wir vor allem von deren exzellentem Netzwerk. Insgesamt stehen wir mit unseren Investoren in intensivem Austausch, wobei wir trotzdem unser Tagesgeschäft völlig autark gestalten können. Wenn große Projekte und Entscheidungen anstehen wie 2. Finanzierungsrunde oder Börsengang, intensivieren wir natürlich noch die Kontakte zu unseren VCs, um auf deren Erfahrungen zurückgreifen zu können.
? : Sie haben gerade den Börsengang angesprochen. Ihren IPO hatten Sie geplant, als Ihr Unternehmen gerade mal 21 Monate jung war. Warum so früh?
Matzat: Wenn Sie sehen, dass unsere Company dieses Jahr schon über 15 Millionen Euro an Umsatz generiert und über 200 Mitarbeiter beschäftigt, kann man sagen, dass wir von unserem Entwicklungsstand her schon 4-5 Jahre alt sind. Wir waren viel schneller erfolgreich als ursprünglich geplant und haben unsere Umsätze gegenüber den ersten Planungen um den Faktor 3 bis 4 übertroffen. Bei unserem Businessmodell kommt es auch besonders auf die "awareness" und "visibility" am Markt an, da wir durchweg für sehr große Kunden tätig werden. Diese werden durch einen Börsengang enorm erhöht. Außerdem wollten wir das Wachstum besser finanzieren können.
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? : Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Emissionsbanken ausgesucht?
Matzat: Da im Investmentbanking eine enorme Fluktuation herrscht, war für uns vor allem die Verfügbarkeit des Teams wichtig. Außerdem sollten die Analysten unser Businessmodell auch verstehen und das Konsortium über eine große Platzierungskraft verfügen, um gleichermaßen Institutionelle wie auch Privatanleger bedienen zu können.
? : Inwieweit wurden Sie von Ihren Investoren beim Börsengang unterstützt?
Matzat: Insgesamt verlief der gesamte Prozess aus unserer Sicht sehr partnerschaftlich. Wir haben uns permanent ausgetauscht und wurden von unseren Investmentmanagern vom ersten Angebot der Banken bis zum potenziellen Börsengang sehr intensiv betreut und aktiv unterstützt.
? : Weshalb haben Sie den Börsengang schließlich erst einmal auf Eis gelegt?
Matzat: Aufgrund des instabilen Marktumfeldes wäre ein Börsengang für uns nicht seriös durchzuführen gewesen. Außerdem hing ja unsere Existenz nicht vom Börsengang ab; von daher herrschte aus finanzieller Sicht auch kein Grund zur Eile. Trotzdem wäre es natürlich gut gewesen, mit Hilfe des Börsengangs die "awareness" und Sichtbarkeit am Kapitalmarkt zu erreichen. Investiert hätten wir den Erlös aus dem Börsengang vollständig in die Finanzierung unseres Wachstums, denn gegenwärtig können wir uns vor Kundenanfragen kaum retten. Diese Aufträge, bei denen jeder in der Größenordnung von ein paar Millionen Euro liegt, müssen vorfinanziert werden. Um diesen Finanzaufwand ohne Börsengang zu stemmen, haben wir noch einmal eine Private Round mit unseren bisherigen bzw. neuen Investoren eingelegt.
? : Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit 3i und Earlybird abschließend charakterisieren?
Matzat: Besonders positiv ist aus meiner Sicht der freundschaftliche und partnerschaftliche Umgang miteinander. Für uns sind unsere Investoren nicht Gegner, die nur auf die schnelle Mark achten, sondern ganz im Gegenteil Partner, die uns dabei helfen, die Company groß zu machen. Im Gegensatz zu den gängigen Vorurteilen gegenüber VCs sind unsere Investoren an einem langfristigen Wachstum unserer Company interessiert. Das ist für mich ein absolut positives Highlight.
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